Durchblutungsstörungen

Durchblutungsstörungen | Dr. med. Gerald E. Müller

Durchblutungsstörungen des Herzens (Koronare Herzkrankheit), der Beingefäße (Arterielle Verschlußkrankheit), der Halsschlagadern (Carotisstenose) und der Hirngefäße (Schlaganfall) können anstelle mit Kathetererweiterungen und Stents risikoärmer mit der Chelattherapie behandelt werden.

 

Mit der Chelattherapie können nach meinen Erfahrungen bei 50% der Patienten mit Durchblutungsstörungen des Herzens (Koronare Herzkrankheit) messbare Verbesserungen erzielt werden, also eine Normalisierung von Belastungs-EKG´s, Stress-Echokardiographien oder Myokardszintigraphien. Bei weiteren 30% der Patienten konnte ein Fortschreiten der Durchblutungsstörungen verhindert werden.

 

Die Arterielle Verschlußkrankheit der Beingefäße (Schaufensterkrankheit) spricht nach meinen Erfahrungen noch besser auf die Chelattherapie an: bei über 90% meiner Patienten konnte die Gehstrecke, die vorher meist bei 50 bis 300 Meter lag, verdoppelt bis verzehnfacht werden. Durchblutungsstörungen der Halsschlagadern (Carotisstenose) werden bis 70% Verengung mit Aspirin behandelt, über 70% wird eine Operation diskutiert. Die Chelattherapie sollte hier rechtzeitig begonnen werden, solange die Verengung unter 95% ist, um eine Operation zu vermeiden.

 

Durchblutungsstörungen der kleinen Gefäße des Gehirns können in aller Regel nicht operiert oder mit Kathetern erweitert werden. Hier ist die Chelattherapie die einzige Methode, um Schlaganfälle oder deren Rückfälle zu vermeiden. Ein großer Vorteil der Chelattherapie ist, dass die Gefäße im gesamten Körper, also im Herzen, den Beinen und den hirnversorgenden Gefäßen gleichzeitig eine bessere Durchblutung erhalten können. Die positiven Wirkungen der Chelattherapie, von Herzchirurgen und herzkatheternden Kardiologen lange in Zweifel gezogen, wurden jetzt in der großen TACT-Studie des amerikanischen National Institute of Health bestätigt: von 2002 bis 2011 wurden 1708 Patienten nach Herzinfarkt randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert entweder mit Chelattherapie oder einem Scheinmedikament behandelt und im Schnitt über 4 Jahre nachbeobachtet.

 

Am 04.11.2012 wurden die Ergebnisse auf der Jahrestagung der American Heart Association in Los Angeles vom Studienleiter Dr. Gervasio A Lamas (Mount Sinai Medical Center, Miami Beach, FL) präsentiert: bei den mit der Chelattherapie behandelten Patienten traten – statistisch signifikant – 18 % weniger Todesfälle, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzkatheter, Bypass-Operationen oder Krankenhaus-Aufnahmen wegen Herzschmerzen auf.

 

Damit sind die positiven Wirkungen der Chelattherapie – bei nur minimalen Nebenwirkungen – wissenschaftlich mit dem zweithöchsten Evidenzlevel 1b belegt. Dagegen wird auf den Jahrestagungen der American Heart Association seit Vorstellung der COURAGE-Studie 2007 betont, dass Ballonkathetererweiterungen und STENT´s mittels Herzkatheter Patienten mit Durchblutungsstörungen des Herzens – abgesehen vom akuten Herzinfarkt, der sogenannten Hauptstammstenose oder eindeutigem Ischämienachweis unter Belastung – gegenüber einer leitliniengerechten medikamentösen Behandlung keinen Vorteil bringen. Dennoch werden in Deutschland mehr Herzkatheter durchgeführt als in jedem anderen Land Europas oder den USA.